Deutschlands Sparprogramm, resultierend aus verschiedenen Sorgen wie dem Abflauen des Wirtschaftswachstums und einer Wiederholung des Griechenland-Debakels, sorgt für ausgeprägte Differenzen zwischen den transatlantischen Bündnispartnern. Zahlreiche Diskussionen über mehr Konjunkturprogramme im Vergleich zu Defizitbeschränkungen und starre Währungspolitiken der chinesischen Partner wurden am vergangenen Wochenende von den zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer geführt. Das Ergebnis scheint nur bedingt zufriedenstellend: Vage Kompromisse, unverbindliche Vorgaben bei der Schuldenreduzierung und keine Einigung über härtere Banken-Spielregeln.
Der amerikanische Präsident Barack Obama wandte sich noch vor Beginn des Gipfels in einem Schreiben an die übrigen G20-Staaten, welches viele Staaten jedoch unbeeindruckt ließ. Nicht nur traten Spannungen zwischen den USA und China wegen deren starrer Währungspolitik auf, Obama war sich sogar so uneinig mit seinen europäischen Bündnispartnern wie noch nie zuvor in seiner 18-monatigen Amtszeit, so der Politico. Kanzlerin Merkel signalisierte, dass man weiterhin am rigiden Haushaltssparprogramm festhalte. Dass dies auf Kritik – selbst aus den Reihen der europäischen Nachbarn stieß – wurde offensichtlich. Es wird von Staaten wie Frankreich und Großbritannien befürchtet, dass die Weltwirtschaft nicht in Schwung kommen könnte, wenn Deutschland die Nachfrage auf dem internationalen Markt nicht erhöhe, berichtet die Financial Times. Selbst Frankreich kommt Obamas Bitte nicht nach und gab kürzlich Etatkürzungen bekannt. Auch wenn man in Toronto letzten Endes beschloss, die jährlichen Staatsdefizite bis zum Jahre 2013 zu halbieren und bis 2016 ausgeglichene Haushalte vorzuweisen, fallen die Urteile darüber unterschiedlich aus. Merkel stimmte das Abschlusskommuniqué positiv, doch der kanadische Ministerpräsident Harper merkte kritisch an, dass die Einhaltung dieser Vorschläge nicht zwingend sei und daher lediglich auf freiwilliger Basis geschehe.
Der Glanz des Weltpolitikers Barack Obama scheint langsam zu verblassen. Obwohl er im Ausland bei der Bevölkerung noch hohes Ansehen genießt, so kann er das nur bedingt in politische Durchsetzungskraft umsetzen.

Group of 20
Die G20 ist eine vielfältige Gruppe, doch eben diese Vielfältigkeit erschwert ihr die Konsensfindung. Die Gruppierung macht zum einen zwar insgesamt 90 Prozent der Weltwirtschaft aus, aber andererseits umfasst sie auch die politische Sensibilität von der saudi-arabischen Ölmonarchie, über Chinas undurchsichtige Mischung aus kommunistischer Politik und Marktkapitalismus bis hin zu zunehmend durchsetzungsfähigen und ökonomisch wichtigen Nationen wie Brasilien und Indien. Dass dieses „bunt gemischte“ Forum besondere Schwierigkeiten überwinden muss, wenn es beispielsweise um die Diskussion von Nordkoreas Waffenprogramm geht, scheint laut der Washington Post vorprogrammiert.
Nachdem eine Antwort auf die Finanzkrise im Herbst 2008 gefunden wurde, die alle Beteiligten unterstützten, stellte man fest, dass damals Länder, vom kommunistisch-regierten China bis hin zum konservativen Kanada, noch in dieselbe Richtung drängen. Die Mitglieder der G20 kamen dieses Mal jedoch zerrissen von neuen nationalen Interessen beim Gipfel an. Die Washington Post schrieb deshalb, dass die G8-Führungskräfte der stärksten Wirtschaftsnationen letzten Donnerstag zusammen kamen – mit der Befürchtung, dass ihr Versagen, im Finanzsektor zu kooperieren, die Welt Millionen von Arbeitsplätzen kosten könnte. Diese Situation stellte für Präsident Obamas Politik des Multilateralismus daher eine Herausforderung dar. Zudem veranlasste es den Internationalen Währungsfonds dazu, vor zu hohen Preisen zu warnen, falls die wichtigsten Industrienationen keinen Konsens fänden.
Bereits einen Tag vor dem Aufeinandertreffen der G20-Staatsoberhäupter wurde der G8-Gipfel abgehalten. Laurie A. Garrett, Senior Fellow des Council on Foreign Relations, ist deshalb der Ansicht, dass das Aufeinanderfolgen der G20 auf die G8 deutlich die dramatische Machtverschiebung erkennen ließe. Neue wirtschaftsstarke Giganten, wie China und Brasilien, seien dabei, sich mehr Macht und Ansehen auf der internationalen Bühne zu verschaffen, während einige G8-Staaten momentan eher wirtschaftlichen Stillstand aufweisen würden, so der Council on Foreign Relations.
Das Abschlusskommuniqué zeige die Übereinstimmung der G20, da hoch verschuldete, westliche Nationen ihre Defizite reduzieren müssen, während Überschuss-reiche Länder mit inländischen Ausgaben und Nachfragen versuchen, die Wirtschaft anzukurbeln, so die Washington Post weiter.

Ungleiche Markterholung
Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds weisen die G20-Staaten eine ungleiche Markterholung auf, bei der die Prognose für aufstrebende Volkswirtschaften – im Gegensatz zu etablierten Wirtschaftsnationen - positiv in Bezug auf deren Staatsverschuldung und das Bruttoinlandsprodukt ausfällt.
Der von der Brookings Institution und der Financial Times angelegte Index der Wirtschaftserholung zeigt, dass die meisten Indikatoren des Wirtschaftswachstums über dem normalen Wert liegen. Diese Indikatoren zeigen eine steile, V-förmige Erholung an. Neu entstehende Märkte in Schwellenländer hätten sich besonders schnell von der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 erholt und würden nun sogar Wachstumsraten über ihrem historischen Durchschnitt verzeichnen.
Thematik des 4. Gipfels
Das Hauptthema beim letztwöchigen G20-Gipfel der großen Wirtschaftsnationen und aufstrebenden Ländern in Toronto war die Frage, wie man die Stärkung der weltweiten Wirtschaft vorantreiben und stärken kann. Es sollte aufgrund der ungleichen Markterholung das Gespräch unter den Staatsmänner- und frauen gesucht werden, um Staatsverschuldung zu kontrollieren und Wachstum zu stimulieren, so das Wall Street Journal.
Nachhaltiges und ausgeglichenes Wachstum
Beim Gipfel in Pittsburgh 2009 einigte man sich, Unausgewogenheiten in der Weltwirtschaft mit einem Rahmenprogramm für ein starkes, nachhaltiges und ausgeglichenes Wachstum zu korrigieren. Ziel dieses Programms war es, dass die G20-Staaten ihre jeweiligen nationalen politischen Verfahrensweisen evaluieren, um sicherzustellen, dass diese den kollektiven Richtlinien entsprechen. Beim kanadischen Gipfel sollte daher gegenseitig beurteilt werden, ob diese Ergebnisse den Vorgaben entsprechen. Zum Abschluss des Gipfels war man sich einig unter den G20-Ländern, der Verpflichtung, die jährlichen Staatsdefizite bis zum Jahre 2013 zu halbieren und bis 2016 ausgeglichene Haushalte nachzukommen, um nachhaltiges und ausgeglichenes Wachstum zu fördern.
Reform des Finanzsektors
Beim Pittsburgher-Gipfel kamen die Staatsoberhäupter überein, Regulierungsmaßnahmen auf dem Finanzmarkt durch vielfältige Maßnahmen voranzutreiben. Beim diesjährigen Gipfel in Toronto sollte den Führungskräften die Möglichkeit gegeben werden, ihren Fortschritt in diesem Bereich auszuwerten und eine Plattform zu schaffen, um weitere Wege zu mehr Transparenz und weniger Risikobereitschaft zu schaffen. Eine Mehrheit für die von Deutschland vorgeschlagenen Finanztransaktionssteuer ließ sich nicht finden. Es werde aber zumindest eine Einigung für den Euroraum angestrebt.
Reform der internationalen Finanzinstitute
Internationale Finanzinstitute wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds haben eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise gespielt, indem sie Mittel zur Verfügung gestellt haben, um Stabilität auf dem Finanzmarkt wiederherzustellen. In Toronto sollte nun eine Bestandsaufnahme dieser Institutionen gemacht werden, um deren Kreditgewährungs-Kapazitäten zu stärken, damit sie zuverlässig und effektiv bleiben. Die G20 haben dazu jedoch im Nachgang an den Gipfel offiziell keine Stellung bezogen.
Globaler Handel und Wachstum
Die G20 haben sehr erfolgreich protektionistische Maßnahmen vermieden, die im Jahre 1929 aus dem Kurseinbruch an den Aktienmärkten die Große Depression eskalieren ließen. In Pittsburgh verpflichtete man sich bereits darauf zu achten, dass es nicht zu Protektionismus komme und man Handel stattdessen liberalisiere. In Kanada will man, laut der Homepage der G20, die multilateralen Bestrebungen unterstützen, die Liberalisierung des Handels weiter voran zu treiben. Trotz der Verpflichtung aller Länder, ihre Staatsdefizite zu reduzieren, war man sich einig, dass der globale Handel weiterhin umfassend gefördert werden müsse.
Spannungen vor Gipfelbeginn
Vor Beginn des Gipfels in Toronto wandte Obama sich in einem Schreiben bereits an die G20-Staaten, indem er betonte, dass der Hauptfokus nach wie vor auf der Stärkung der Wirtschaft liegen solle. Im gleichen Zuge ermahnte er im Besonderen die europäischen Staaten, sich nicht zu schnell von ihren Investitionsprogrammen zu trennen, da es ansonsten zu einer Rezession mit zwei Talsohlen kommen könne. Deutschland und weitere europäische Länder seien in den letzten Wochen vermehrt zu einer Sparpolitik übergegangen, da ihnen der Schreck der extremen Staatsschulden Griechenlands, Portugals und Spaniens noch in den Knochen sitze, so die New York Times.
In diesem Schreiben nahm Obama deutlich Bezug zu den immer größer werdenden Uneinigkeiten innerhalb der G20-Gruppe, einschließlich Chinas zu hoch angesetzter Währung und Europas überraschender Sparpolitik. Ein leitendes Regierungsmitglied sagte bezüglich des Gipfels aber, einer der nennenswerten Aspekte der letzten 18 Monate sei, dass die Länder nicht einfach ihren eigenen Weg gegangen seien. Die Krise sei noch lange nicht vorbei und es gebe nach wie vor Schwachstellen. Es müsse noch viel gemacht werden in jedem der einzelnen Bereiche. Man werde aber gemeinsam an der Agenda weiterarbeiten, berichtet die Washington Post.
Ausgabeverhalten vs. Haushaltskürzungen
Es wurde erwartet, dass die Debatte über Ausgabeverhalten versus Haushaltskürzungsmaßnahmen ein zentrales Thema sein wird in Toronto. Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner und Larry Summers, National Economic Council Chairman, riefen die G20 zu Kürzungen auf, ohne das Wirtschaftswachstum zu gefährden. Ohne sofortiges Wachstum werde der Schuldenberg steigen und auch künftiges Wachstum untergraben, berichtet The Hill.
Kanzlerin Angela Merkel hingegen gab am vergangenen Mittwoch bekannt, dass sie an ihrem Haushaltssparprogramm festhalten werde, was auf Kritik der USA und ihrer europäischen Nachbarn stieß. Merkel begründete ihre Entscheidung damit, dass Länder es verhindern müssten, „inflationäres Wachstum“ mit Staatsverschuldung zu generieren, so The Hill weiter. Kritisiert wurde daran, dass Deutschland nicht genug tue, um die Nachfrage des Landes auf dem internationalen Markt zu stärken, berichtet Dr. Jackson Janes, Direktor des American Institute for Contemporary German Studies (AICGS). Laut Janes herrschten signifikante Missverständnisse in Deutschland, Europa und über den Atlantik hinaus in Bezug auf die Priorisierung der kurz- und längerfristigen Ziele, die es zu erreichen gelte. Während Deutschland eher auf längerfristige Ziele fokussiert sei, wie beispielsweise Gefahren der Inflation und des demografischen Trends zu mildern, würde die innenpolitische amerikanische Debatte selbst sichtlich uneinig sein zwischen dem Weißen Haus, den Republikaner im Kongress und den konkurrierenden lokalen Experten.
Die unterschiedliche Auslegung der Zielsetzung spiegelte sich auch in der Bekanntgabe von Etatkürzungen in Großbritannien wider. Premierminister Cameron kam der Bitte Obamas, sich mit Haushaltskürzungen zurück zu halten bis die Wirtschaft sich erholt hätte, nicht entgegen und machte mit seinem Notfallsparprogramm weiter, in dem Ausgaben gekürzt und Steuern erhöht werden, bei dem mit bis zu Einnahmen in Höhe von $188 Milliarden pro Jahr bis zum Jahre 2015-16 gerechnet wird. Man plane auch die Mehrwertsteuer von 17.5 Prozent auf 20 Prozent zu erhöhen. Diese Änderung soll ab Januar 2011 rechtswirksam sein, so die Post.
New York Times bezeichnete das Vorhaben als “strengstes Sparpaket mit der stärksten Steuererhöhung seit der Ära Margaret Thatchers. Die Associated Press schreibt währenddessen, dass die neusten Kürzungen der öffentlichen Ausgaben die Entschlossenheit in Europa widerspiegele, erst einmal Schulden abzubauen, bevor man sich über Wachstum Gedanken mache, nachdem Griechenland unlängst kurz vor dem Staatsbankrott stand und sogar die ganze europäische Wirtschaftseinheit gefährdete.
Die New York Times berichtete in einem weiteren Artikel, dass Frankreich, Deutschland und Großbritannien am Dienstag letzter Woche ihr Engagement bekräftigten, Bankensteuern zu regulieren, auch wenn auf diesem Gebiet noch lange keine Einigung in Sicht sei. In einem gemeinsamen Brief der Finanzminister versprachen diese, sicherzustellen, dass Banken einen angemessenen Beitrag leisten, im Anbetracht der Risiken, die sie in Kauf nehmen und dabei das Finanzsystem und die Wirtschaft im Allgemeinen gefährden. Ebenso wolle man Banken ermutigen, in ihren Handelsbilanzen diese Risiken zu reduzieren.
US – Chinesische Hürden
Bereits im Vorfeld dieses Gipfels kam es auch zu Spannungen zwischen den USA und China. Im Kongress wurde wiederholt der Unmut gegenüber der chinesischen Währungs-, Handels- und Industriepolitik geäußert und damit Präsident Obama aufgefordert, Druck auf den chinesischen Gegenpart auszuüben, so die New York Times. Grund dafür sei, dass der Wert der chinesischen Währung Renminbi künstlich niedrig gehalten werde, um den Export zu stimulieren. Außerdem gebe es Beschwerden seitens amerikanischer Softwarehersteller, welche die technologische Piraterie der Chinesen beklagen. Die Times beruft sich weiter auf eine Studie des Economic Policy Institute, das herausgefunden hat, dass durch das Handelsdefizit mit China in den USA zwischen 2001 und 2008 2,4 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen sein sollen. „Die Regierung hat das G20-Treffen bewusst gewählt, um China die Möglichkeit zu geben, ihre starre Währungspolitik zu ändern. Falls China jedoch nicht handeln würde und die Regierung daraufhin nicht prompt reagieren würde, würde der Kongress aktiv werden“, so der Abgeordnete Sander M. Levin.
China handelte tatsächlich. Wie die Associated Press berichtete, gab das Weiße Haus am Montag vor einer Woche bekannt, dass man positiv überrascht von Chinas Versprechen sei, mehr Flexibilität in den Wechselkurs bringen zu wollen. Man glaube aber, dass der tatsächliche Test erst noch bevorstünde, wenn man sehe, ob die Versprechungen wirklich in die Tat umgesetzt werden. Pressesprecher Bill Burton sagte, dass die Regierung offensichtlich ermutigt sei. Dennoch warnte er zugleich, die Implementierung zu beaufsichtigen." Ein leitendes Regierungsmitglied sagte, laut der Washington Post, dass Chinas Reaktion extrem wichtig war und die Dynamik des Gipfels deutlich verändert hätte.
Old Debate Warmed Up?
Janes vergleicht das Gipfeltreffen in Toronto mit dem Aufeinandertreffen Helmut Schmidts und Jimmy Carters in den späten 1970er Jahren und findet, dass sich seit damals nicht viel verändert hätte. Im Gegensatz dazu seien heutzutage lediglich noch mehr Akteure mit Rang und Namen in der politischen Debatte um den Diskussionstisch versammelt, die alle zu Wort kommen wollen. Er weist außerdem daraufhin, dass die Argumentationsweise, die in den 70ern vom deutschen Bundeskanzler und dem amerikanischen Präsidenten gewählt wurde, nun überraschend als eine Art Echo „neu“ im transatlantischen Dialog aufgetreten sei. Der dem AICGS nahe stehende Experte äußert sich deshalb kritisch, da je mehr Dinge sich anscheinend verändern würden, desto mehr würde de facto doch beim Alten bleiben.
Ergebnisse des Gipfels
Obwohl der US-Präsident zu Beginn mahnte, die Haushaltsausgaben weiterhin hoch zu halten, um das Wachstum zu fördern, endete das Gipfeltreffen mit einer Vereinbarung zur Staatsausgabensenkung, die vom kanadischen Premierminister Stephen Harper angestoßen wurde. Man einigte sich abschließend unter den G20-Ländern, der Verpflichtung, die jährlichen Staatsdefizite bis zum Jahre 2013 zu halbieren und bis 2016 ausgeglichene Haushalte vorzuweisen. Dies stimmte Kanzlerin Merkel zufrieden, die sagte: „Das entspricht eigentlich genau unserer Zeitachse und insofern können wir sagen, dass wir hier eine wichtige Gemeinsamkeit verabreden können, die nach meiner Meinung zu einem nachhaltigen Wachstum führt.“ Merkel ist optimistisch, dass sich die Industriestaaten unter den G20-Staaten an das Abkommen halten werden. Die vorgegebene Zeitachse würde es festschreiben, dass jeder seinen Beitrag leisten muss. Kritisch beurteilt wird dies jedoch vom kanadischen Ministerpräsident und gleichzeitigem Ausrichter der Konferenz, Stephen Harper. Dieser merkte an, dass die Einhaltung lediglich eine nicht bindende Absichtserklärung darstelle. Es gebe demnach keine Möglichkeit, diese zu erzwingen.
US-Präsident Obama räumte indes ein, dass es bereits im Vorfeld dieser Konferenz eine gewisse Kluft gegeben hätte. Die Politik, die jedoch vorangetrieben worden wäre, spiegele sich aber im Abschlusskommuniqué wider und stimme mit dem, was die G-20-Führer beschlossen haben, überein.
Das Abkommen wird in den USA nicht als generelle Niederlage für den Präsidenten empfunden, weil es vorsichtig formuliert wurde und weil die Position des Präsidenten der des geschäftsführenden Direktors des IWF, Dominique Strauss-Kahn, stark ähnelt. Dieser war der Ansicht, dass die Vereinbarung zum Schuldenabbau eine zu starke Vereinfachung des eigentlichen Problems darstelle. Er sagte, dass es wichtiger sei für die einzelnen Länder, die richtigen ökonomischen Leitlinien anzufertigen, um Wachstum aufrecht zu erhalten und nicht nur blind gekürzt wird, um das vorgegebene Ziel zu erreichen, berichtet die Washington Post.
New York Times schreibt ebenfalls, dass die abschließende Vereinbarung vor allem die Überzeugung der europäischen Nationen unterstrich, dass Defizite die größte Bedrohung für wirtschaftliche Stabilität seien. Diese Meinung steht im Gegensatz zu den Positionen die Obama und Geithner artikuliert haben, letzterer hatte immer wieder einen gemäßigten Versuch der Schuldenreduktion angepriesen. Die Times beschreibt die Vereinbarung als abgemildert, um die Einwände der USA, Japans, Indiens und ein paar weiterer Länder zu besänftigen und es erkennt beide Seiten der Debatte an. Ebenso haben die meisten Regierungen, inklusive den USA, bereits Budgetvorschläge im Einklang mit den Sollvorgaben vorgebracht.
Obama – Novelty Faded?
Obama wäre für die internationale Bühne wie geschaffen, doch von diesem Glanz wäre nicht mehr viel übrig geblieben, berichtet der Politico. Es wird an Obamas ersten G20-Gipfel in London erinnert, bei dem man sich zum Höhepunkt der Wirtschaftskrise und ebenso zum Höhepunkt seiner weltweiten Beliebtheit versammelte. Der Gipfel sei geprägt gewesen von purer „Obama-Faszination“. Ähnlich sei es im vergangenen Herbst beim G20 Gipfel in Pittsburgh gewesen, bei dem Obama ebenfalls alle Aufmerksamkeit auf sich zog, als er stolz verkündete, dass man sich ab sofort regelmäßig in diesem Kreis von 20 Nationen treffe. Laut USA Today verbrachte Präsident Obama auch dieses Mal viel Zeit damit, eine wichtige „diplomatische Runde“ einmal um den Erdball zu drehen. Der dreitägige Gipfel gab ihm die Chance, viele ausländische Führungskräfte, mit denen er in den letzten Monaten nur telefonisch Kontakt pflegte, persönlich zu sprechen. Innerhalb von 30 Stunden traf sich Obama planmäßig mit dem britischen Premierminister David Cameron, Südkoreas Präsident Lee Myung Bak, dem chinesischen Präsident Hu Jintao, dem indonesischen Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, dem indischen Premierminister Manmohan Singh und dem neuen japanischen Premierminister Naoto Kann, berichtet USA Today weiter. Dennoch scheint, laut dem Politico, vom Glanz des amerikanischen Präsidenten nicht mehr viel übrig zu sein, da sich seine Glaubwürdigkeit in wirtschaftlichen Angelegenheiten, seine Beliebtheit und vor allem das Wohlwollen gegenüber einem neuen Präsidenten deutlich verringert hätten.