Am Mittwoch veröffentlichte Senator Max Baucus den lang erwarteten Gesetzesentwurf zur Gesundheitsreform – als Belohnung hagelte es Kritik von Liberalen und Konservativen, so The Hill. Der Vorsitzende des Finanzkomitees hatte seit Monaten in einem überparteilichen Sechserausschuss an einem Kompromiss gearbeitet. Nun aber lehnen die Konservativen den Vorschlag ab, den Liberalen ist er zu schwach und die Gemäßigten sind nicht so zahlreich, wie Baucus es erhofft hatte. Jedoch äußerte sich zumindest die Industrie positiv zu dem Entwurf, so die Washington Post. Das Congressional Budget Office (CBO) gab Baucus’ Plan indirekte Unterstützung. Das CBO schätzt mit Kosten von $774 Milliarden in einem Zeitraum von 10 Jahren – das sind $82 Millarden weniger als Baucus angesetzt hatte. Damit ist Baucus’ Gesetzesvorlage die günstigste Version, die das Haushaltsdefizit eventuell um $49 Milliarden reduzieren würde. Gleichzeitig würden 29 Millionen bisher nicht versicherte Bürger Zugang zu einer Krankenversicherung erlangen, womit 94% der legalen Bevölkerung im erwerbstätigen Alter abgedeckt wäre.
Währenddessen kritisiert das Wall Street Journal Max Baucus’ Gesetzesentwurf zur Gesundheitsreform, da dieser Krankenversicherungen teurer machen würde. In der New York Times meint Senator Ron Wyden jedoch, dass alle Reformvorschläge nicht genug Wettbewerbsdruck auf die Versicherungsindustrie ausüben würden. Die USA Today ist zu der Ansicht gekommen, dass der Mangel an Interesse an einem Kompromiss von Seiten der Republikaner, die Demokraten dazu zwinge, das untragbare Versicherungssystem in einem Alleingang zu reformieren. Dem widersprach der Republikanische Senator Orrin Hatch: "Indem wir uns auf Themen konzentrieren, in denen wir übereinstimmen, anstelle die zu betonen, in denen kein Konsens herrscht, könnten wir uns auf eine finanziell verantwortungsbewusste und gezielte Gesetzesvorlage einigen, die auch Republikanische Unterstützung findet.” Im Politico beschwert sich derweilen der Parteivorsitzende der Republikaner, Michael Steele, darüber, dass die Demokraten – einschließlich Jimmy Carter – die ‘race’-Frage in die Debatte um Obamas Politik eingebracht haben.
Derweilen ist nach Angaben von Beratern auch Michelle Obamas Terminplan im Herbst gut gefüllt. Ihr Augenmerk liegt dabei auf der Gesundheitsreform – dasselbe Thema, das der First Lady Hillary Clinton schwere Kopfschmerzen bereitet hatte, so der Politico. Wie gewöhnlich ist es die Aufgabe der First Lady, ein freundliches Gesicht aufzusetzen und das komplexe und umstrittene Thema in eine nicht ganz so kontroverse Richtung zu lenken.
Gute Nachrichten gibt es für die Demokraten auch aus Massachusetts: Die von den Demokraten regierte Legislative ist dazu bereit, ein Gesetz zu verabschieden, das es dem Demokratischen Gouverneur Deval Patrick gestattet, einen Übergangssenator als Nachfolger für den verstorbenen Edward M. Kennedy zu ernennen. Dadurch würde die Demokratische Mehrheit im Senat ermöglicht und die Aussicht auf das Zustandekommen eines Gesetzes zur Gesundheitsreform verbessert, berichtet das Wall Street Journal.
Die Bemühungen der Demokraten, das Gesundheitssystem zu reformieren, haben die Behandlung anderer brisanter Themen wie Einwanderung und Klimawandel vorerst ins nächste Jahr verschoben. Dies könnte sich nachteilig auswirken, da es im Wahljahr meist schwierig ist, konkrete Politik zu machen, schreibt The Hill. Das Klimagesetz ist noch nicht vom Tisch, verschwindet aber in die Bedeutungslosigkeit, berichtet der Politico. Der Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, bestätigt, dass er momentan keine Zeit dafür habe. Auch das Weiße Haus hat sich nicht weiter zu dem Gesetz geäußert. Für Aufruhr sorgte einzig und allein eine umstrittene Analyse des Finanzministeriums die am Mittwoch veröffentlicht wurde, wonach der Handel mit Emissionsrechten die Wirtschaft $200 Milliarden kosten könne. Diese Woche hat das Competitive Enterprise Institute, das sich damit beschäftigt, ob Menschen und Industrie zur Globalen Erwärmung beitragen, ein einseitiges internes Memorandum des Finanzministeriums vom März veröffentlicht. Demnach lägen die jährlichen Staatseinkünfte aus dem Emissionshandelsgesetz bei $100 bis $200 Milliarden, so die Washington Post. Im Memorandum wurde – anders als in dem Entwurf, dem das Repräsentantenhaus im Juni zustimmte – davon ausgegangen, dass die Emissionsgenehmigungen zu 100 Prozent versteigert würden.