Umstrittene Baupläne
Dienstag, März 23, 2010 at 03:51PM Wie bereits berichtet, hat die Bekanntgabe neuer Siedlungen während des Biden-Besuchs in Israel zu Spannungen zwischen den beiden Ländern geführt. „Obama weiß, dass die Israelis nicht mehr mit einer Stimme sprechen,“ meint Maureen Dowd in der New York Times. „Das lässt ihm genug Spielraum, um Druck auf Netanyahu auszuüben. Aber die aggressive Reaktion des Präsidenten verdeckt auch die Tatsache, dass die Regierung keine wirkliche Friedensstrategie hat und kein schlagendes Team unter Clinton und Biden, das auf Frieden drängt.“
„Die unglücklichen Vorfälle zwischen Präsident Obama und Israel müssen in einem weiteren globalen Zusammenhang gesehen werden“, findet Robert Kagan, Senior Associate beim Carnegie Endowment for International Peace, in der Washington Post: „Der Präsident, der in der 2008-Kampagne gegen den Unilateralismus antrat, hat insgesamt schlechtere Beziehungen mit den amerikanischen Verbündeten als George W. Bush in seiner zweiten Amtszeit.“
Das Wall Street Journal kommentierte diese Entwicklung: Die nachträgliche Rüge von Frau Clinton war ganz klar als eine hoch politische Zurechtweisung der Israelis gedacht, aber ihre politische und strategische Logik ist rätselhaft. Die USA brauchen Israel als Verbündeten bei den langwierigen Bestrebungen der Obama-Regierung, Irans Nuklearaufrüstung mit Diplomatie oder Sanktionen zu stoppen. Im direkten Gegenzug erwartet Israel Sicherheitsgarantien gegen Iran. Wenn Israel merkt, dass die Regierung nach einem Vorwand sucht, um die Beziehungen quasi „aufzukündigen“, wird sie gezwungen sich selbst zu schützen, wobei es ihr mehr und mehr egal sein wird, wie die USA auf einen möglichen Militärschlag gegen den Iran reagiert.
„Die damalige Ankündigung des Baus neuer Siedlungen in Ost-Jerusalem während des Besuchs des Vizepräsidenten Joe Biden in Israel, war ein unnötiger Schritt – aber solche oberflächliche Eindrücke sind nicht das wahre Problem“, meint auch der ehemalige U.N. Botschafter John Bolton im Wall Street Journal. Allerdings warnt er eindringlich, dass Obama höchstwahrscheinlich glaubt, dass der wahre Hinderungsgrund des Friedens nicht der neue Wohnungsbau oder unglückliches Timing ist, sondern israelische Unnachgiebigkeit.
Laut Bolton ist jedoch bedrohlicher, dass Netanyahu annahm, Obama würde ihm grundsätzlich zustimmen, den Iran davon abhalten zu müssen, Nuklearwaffen anzuschaffen. Das Weiße Haus ist allerdings scheinbar der Meinung, dass ein nuklearer Iran, wenn dieser auch nicht „wünschenswert“ ist, abgeschreckt werden kann und will deshalb nicht militärisch gegen Teherans Nuklearambitionen gegenhalten. Obama ist zudem nicht bereit jemand anderen – also Israel – handeln zu lassen. Das bedeutet, wenn Israel iranische Nuklearanlagen bombardiert, wird der Präsident wahrscheinlich kritischen Nachschub von zerstörten israelischen Flugzeugen und anderen Waffensystemen einbehalten.
Alan Dershowitz geht ebenfalls im Wall Street Journal darauf ein, was es für Präsident Obama bedeuten könnte, wenn die Entwicklungen des Iran weiter fortschreiten. Neben den Bedrohungen, die von einer Atommacht Iran ausgehen würde (Aufrüsten und Wettrüsten im Nahen Osten, Bedrohung durch Weiterreichung oder Inbesitznahme von WMD durch Terroristen, aggressiveres Auftreten des Irans aufgrund des atomaren Schutzschildes) bleibt auch noch zu "bedenken," dass Obama dann nicht wegen der Gesundheitsreform oder anderen innenpolitischen Reformen in die Geschichte eingehen wird. Ähnlich wie bei Neville Chamberlain wird man sich nicht daran erinnern, dass er die Wirtschaftskrise für sein Land abgemildert hat, sondern ihn als denjenigen ausmachen, der es zugelassen hat, dass Iran zur Nuklearmacht wird (auch wenn er nicht als einziger die Schuld daran trägt).
Auch wenn zur Zeit das einzige Thema am Capitol Hill die Gesundheitsreform zu sein scheint, haben sich währenddessen mehr als die Hälfte der Mitglieder des Kongresses die Zeit genommen, um mit jüdischen Aktivisten und Spendern in Kontakt zu treten und ihre Treue zu Israel auszudrücken, schreibt Roll Call. Am Montagabend fand dann das Bankett des American Israel Public Affairs Committees im Washingtoner Convention Center statt, bei dem der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu der Hauptredner war. „Israel wird seine Baupläne in Jerusalem nicht einstellen,“ sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu dann resolut auch am Montagabend, bevor er sich am Dienstag mit Präsident Obama im Weißen Haus treffen wollte, so Bloomberg News.
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