Die Beziehungen zwischen China und den USA sind immer noch spannungsgeladen. Allerdings könnte es in den nächsten Tagen zu einer Annäherung kommen.
Kongressmitglieder von beiden Parteien sprachen sich Mitte März dafür aus, mehr Druck auf China auszuüben, damit die chinesische Währung aufgewertet wird. Sie sind der Meinung, dass die Unterbewertung des Renminbi dafür sorgt, dass China einen Exportvorteil hat und in den USA keine Arbeitsplätze geschaffen werden können, schreibt die New York Times. Eine Gruppe von 14 Senatoren hatte sich zusammengeschlossen und eine Gesetzesvorlage veröffentlicht, die es ermöglichen soll, den Druck auf China zu erhöhen. Außerdem machten sie deutlich, dass die chinesische „Währungsmanipulation“ der US-Wirtschaft schadet, schreibt die New York Times in einem anderen Artikel. Die Vertreter aus dem Kongress wollen, dass die US-Regierung China offiziell als "Währungsmanipulator” betitelt, was Washington dann ermöglichen würde, offiziell gegen China Maßnahmen einzuleiten.
Wenn es ein Land gibt, dass für Protektionismus und Politisierung der Wechselrate verantwortlich ist, dann ist es China, behauptet auch Sebastian Mallaby in der Washington Post. Peking hat eine politische Entscheidung getroffen, um die Währung auf einem künstlich niedrigen Niveau zu halten und so den chinesischen Exporteuren einen wettbewerblichen Vorsprung zu verschaffen. Doch Chinas Reaktion auf die Kommentare Obamas zeigt die Unsicherheit, die hinter dieser selbstsicheren Fassade steckt.
„Chinas eigentliches Problem ist nicht der Wechselkurs zum Dollar, sondern die fehlende Umtauschbarkeit des Yuan in andere Währungen und die Kapitalverkehrskontrolle”, meint jedoch das Wall Street Journal. Diese hätten dazu geführt, dass die chinesische Zentralbank immense Dollarreserven in Höhe von 2,5 Billionen hat, die sie hauptsächlich in US-Staatsanleihen investiert. Stattdessen sollte China den Yuan etwas im Kurs anheben und frei umtauschbar machen.
Derweilen haben Sprecher aus dem chinesischen Wirtschaftsministerium in den letzten Wochen zurückgeschlagen. Sie schüren Nationalismus und Anti-Amerikanismus, indem sie laut verkünden, dass China sich sicherlich nicht von den USA sagen lässt, was zu tun ist, schreibt die New York Times in einem anderen Artikel. Dabei verweist die Times auf einen internen Konflikt zwischen dem Wirtschaftsministerium, welches sich um anhaltendes Handelswachstum sorgt und der Zentralbank, die warnt, dass es mit der Währungspolitik zu einer Inflation kommen kann.
Mittlerweile scheint sich die Zentralbank durchgesetzt zu haben: Die chinesische Regierung hat bekannt gegeben, mit einer Korrektur ihrer Währungspolitik zu beginnen. Sie wollen von einem (nahezu) festen Wechselkurssystem zu einem Bandbreitensystem übergehen, welches eine Ober- und Untergrenze für den Umtauschkurs festlegt, so die New York Times gestern. Allerdings warnt die Zeitung, dass eine zu kleine Bandbreite nicht unbedingt positive Veränderungen für das amerikanische Handelsdefizit mit sich bringen wird.
Vor einer Woche gab es bereits ein Anzeichen für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Die New York Times berichtete, dass der chinesische Präsident Hu Jintao plant, am Nuklearsicherheitsgipfel in diesem Monat teilzunehmen. Amerikanische Politiker hatten befürchtet, dass der Präsident nicht erscheinen würde, um Chinas Ärger über die diplomatischen Spannungen zum Ausdruck zu bringen. (Neben den Währungsproblemen wären auch die Entscheidungen des Weißen Hauses, Waffen an Taiwan zu verkaufen und sich mit dem Dalai Lama zu treffen, zu nennen.)
Chinesische Experten sagten dabei, dass die chinesischen Behörden einer Teilnahme sicherlich nicht zugestimmt hätten, wenn es nicht einer Zusage vom Finanzministerium gekommen wäre, dass China in der Zeit des Besuches – um den 15. April – nicht als „Währungsmanipulator“ deklariert wird, so die New York Times letzte Woche.
Ein überraschendes Treffen zwischen Finanzminster Timothy F. Geithner und dem chinesischen Vize-Ministerpräsidenten Wang Qishan am Donnerstag war ebenfalls ein Zeichen der Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen, schreibt die New York Times, auch wenn Ökonomen davon ausgehen, dass es nicht zu einem Durchbruch in der Frage um die Währungspolitik Chinas kommt.
Vielleicht auch um einer möglichen Aufwertung zu entgehen, hat die chinesische Regierung jetzt eine Vereinbarung zum Bau von Hochgeschwindigkeitszüge mit Kalifornien und General Electric unterschrieben, so die New York Times.